
Ich bin nicht sie – Das Quietschen der kleinen Sirene (24.)
„Also Mädels, alles klar. Sie bringen es um halb zwölf und ich habe extra Schinken dazu bestellt“, verkündete Michael fast triumphierend, während er sich an die Theke lehnte, da es wieder voll war.
„Juhu!“, jubelte Julie so laut, dass Anna, die wieder neben ihr stand, zusammenzuckte.
Im nächsten Moment musste sie sich das Ohr reiben, in dem es ein wenig zu pfeifen begann, ganz zu schweigen von ihrem Herzen, das wie verrückt schlug. „Wie eine kleine Sirene“, dachte sie und schüttelte leicht den Kopf.
„Julie, was habe ich dir über Schreien gesagt?“, schimpfte Michael sofort, aber er sah Anna an und schien vorzuhaben, sich für seine Tochter zu entschuldigen, doch seine Frau schüttelte nur erneut den Kopf und wandte ihren Blick mit einem seufzenden Hauch der kleinen Fee mit den blonden Haaren zu.
„Entschuldige, ich wollte nicht“, flüsterte das kleine Mädchen mit hängenden Schultern und starrte irgendwo nach unten. Anna war mehr als überrascht. Nicht im Traum hätte sie gedacht, dass sich dieses kleine Wesen so schnell zurückziehen und plötzlich so zerbrechlich und verletzlich wirken würde. Als Anna sie so sah, tat ihr das Herz weh und sie verspürte den Drang, das kleine Mädchen zu trösten. Und warum sollte sie das eigentlich nicht tun?
Mit fester Entschlossenung nahm sie die Hand vom Ohr, in dem sie immer noch eine Pfeife zu haben schien, aber das war für sie kein Hindernis.
„Komm zu mir, du kleine Pfeiferin.“ Sie zog sie sanft zu sich heran und umarmte sie mit ihrer verletzten Hand, die mit jeder Sekunde mehr schmerzte.
„Es tut mir leid“, erklang es wieder mit kindlicher Stimme, in der Schüchternheit und Traurigkeit mitschwangen.
„Es ist nichts passiert, Prinzessin, hab keine Angst.“
Sie wollte keine Sanftheit in ihrer Stimme mitschwingen lassen. Sie spürte, wie sich das kleine Mädchen enger an sie drückte, ihre Arme um ihre Taille schlang und ihren Kopf auf ihre Schulter legte.
Ganz automatisch begann Anna, ihr über den Rücken zu streicheln.

